Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Neues zur Holocaust Education – Pädagogik der Erinnerung

 


Mit großer Freude ist hier eine Neuerscheinung zur „Holocaust-Education“, die es in sich hat, anzukündigen und dafür zu werben. Mit dem Titel: „Das geht auch mich an“ bietet sie ein „fächer- und jahrgangsübergreifendes Curriculum der Holocaust Education mit Unterrichtsmaterialien für Grundschule, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II“. Unter dem allerdings nicht ganz unbestrittenen, aber international gebräuchlichen Begriff Holocaust Education präsentiert sich ein pädagogisches Werk, das die Erinnerung an Verfolgung und Widerstand in der NS-Zeit und an das Judentum wachhalten will. Auf 300 Seiten bietet diese Orientierungshilfe eine Fülle von „Bausteinen“, Anregungen und Materialien für den Unterricht, die man/frau bislang so vermisst hat. Zu Recht schreibt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Dr. Felix Klein in seinem Grußwort:

„Die Orientierungshilfe (…) füllt eine große Lücke. Denn die Publikation liefert eine dringend notwendige Strukturierung und Differenzierung der verschiedenen ethischen, pädagogischen, fachspezifischen und didaktischen Dimensionen von Holocaust Education für alle Schulfächer und -stufen. Lehrkräfte erhalten einen Überblick über die für ihr Fach und ihren Jahrgang erforderlichen wie angemessenen Zugänge und bekommen konkrete Module an die Hand, die sie direkt einsetzen können. Jedes Einzelne ist so spannend wie anwendungsbezogen. (…) Dem bisherigen Fehlen eines übergreifenden Konzepts der Vermittlung der Shoa im Unterricht begegnet die Orientierungshilfe mit einem einleuchtenden und klaren Fünf-Dimensionen-Modell.“

Dieses Fünf-Dimensionen-Modell bietet nach einer theoretischen Einführung („Erinnern, Lernen und Gedenken vor dem Hintergrund der Shoa“) in vielfältiger Form die folgenden Themenbereiche an:

 

Dimension I: Spurensuche: Die unterrichtliche Arbeit mit Biografien von Menschen aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Dimension II: Erinnerungskultur: Gedenkorte, Gedenktage, Gedenkanlässe im Kontext der Shoa.

Dimension III: Nationalsozialismus: Entstehung, Geschichte, Herrschaftssystem, „soziologische Struktur“.

Dimension IV: Judentum: Geschichte, Kultur, Religion, Politik, Israel.

Dimension V: Konsequenzen: Menschenrechtsarbeit, Antirassismus, Antisemitismus. „Nie wieder Auschwitz!“.

 

Diese fünf Dimensionen beziehen sich aufeinander und sollen eine Orientierung für den Unterricht sein – und zwar differenziert nach den Schulstufen (Grundschule, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II). Diese wiederum sind aber nicht fix, sondern fließend.

Herausgeber des Werkes sind die „gelernte“ Lehrerin, Studienleiterin und in vielfältigen Funktionen der Erwachsenenbildung zum Teil auch noch im Ruhestand tätige Gerda E. H. Koch und der evangelische Theologe und Erziehungswissenschaftler, früherer Schulreferent in Koblenz und wissenschaftlicher Referent am Comenius Institut in Münster Dr. Rainer Möller.

Beide Herausgeber haben in jahrelanger Zusammenarbeit eine Vielzahl von Beitragenden aus dem Schulbereich und darüber hinaus (so auch den stellvertretenden Vorsitzenden unseres Fördervereins Joachim Hennig) für die Mitarbeit gewinnen können. Entstanden ist ein ganz breit gefächertes, unmittelbar anwendbares Angebot zur Unterrichtsgestaltung. Es besticht überdies durch sein benutzerfreundliches Layout, das zum Gebrauch einlädt und gute Orientierung gibt.

Die Orientierungshilfe erscheint als gekürzte Printfassung (304 Seiten) und als vollständige digitale Version (1.500 Seiten). Sämtliche Bausteine werden mit dem Erwerb der Printfassung als PDF, wesentliche Bildmaterialien zusätzlich als Bilddateien zur Verfügung gestellt.

Das Werk kann beim Kinderlehrhaus e.V. Wilhelmstraße 46 in 45661 Recklinghausen zum Selbstkostenpreis von 25,00 € zuzüglich Porto erwerben werden. E-Mail-Kontakt unter der Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wegen weiterer Informationen wird auf den anliegenden Flyer (Hier herunterladen) verwiesen.

Endlich da: Viele wichtige Informationen zur Geschichte der Juden in Koblenz

 

 

Seit Jahrzehnten fehlt eine Geschichte der Juden in Koblenz. Aus Anlass des diesjährigen Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ hat der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig auch diese Geschichte aufgeschrieben. Hennig, der erst kürzlich die Erinnerungen von Kurt Hermann an seine Kindheit und Jugend in Koblenz 1918-1935 neu bearbeitet herausgebracht und weitere Projekte in der Planung hat, schildert in seiner neuesten Arbeit nach einem Prolog zur spätrömischen und frühmittelalterlichen Zeit die Anfänge der jüdischen Gemeinde an Rhein und Mosel im 12. Jahrhundert. Dem Leser/der Leserin führt er die sehr wechselvollen Jahrhunderte jüdischen Lebens vor Augen, wie sie von den Trierer Kurfürsten, den Franzosen, den Preußen, von den Mitmenschen der Juden in Koblenz und teilweise auch von ihnen selbst mitgeprägt wurden.

Dabei konnte sich Hennig auf Vorarbeiten stützen: auf das sehr wichtige Werk der früheren Lehrerin Hildburg-Helene Thill: „Lebensbilder jüdischer Koblenzer und ihre Schicksale“ (1987), zwei Abhandlungen in der 1992/93 herausgekommenen Stadtgeschichte von Koblenz und spezielle Arbeiten von Dr. Ulrich Offerhaus in den letzten Jahren. Diese und viele Quellen, wie sie etwa in der neunbändigen, von Prof. Dr. Franz-Josef Heyen verantworteten „Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945“ (ab 1972) dokumentiert sind, hat Hennig zu einer Gesamtdarstellung zusammengefügt. Unter dem Titel: „Von der ‚Universitas Iudeorum in Confluencia‘ zu Körperschaften des öffentlichen Rechts – Geschichte der Juden in Koblenz“ lädt der Autor zu einer Zeitreise ein. Nahe gebracht wird diese Geschichte auf 110 Seiten auch durch zahlreiche Abbildungen und Karten sowie durch Biografien jüdischer Koblenzer.

Der Autor ist sich bewusst, dass dies nur ein erster, allerdings großer Wurf zur Geschichte der Juden in Koblenz sein kann. Das gilt umso mehr, als bisher nur der 1. Teil bis zum Beginn der Kaiserzeit (1870/71) fertiggestellt ist. Der 2. Teil von der Kaiserzeit bis ins 21. Jahrhundert folgt bis Ende dieses Jahres. Beide Teile sollen eine Anregung zur intensiven Beschäftigung mit diesem Teil der Koblenzer Stadtgeschichte sein und möglichst viele zum Lesen, aber auch zum weiteren Erforschen der jüdischen Geschichte von Koblenz motivieren.

Diese Geschichte der Juden in Koblenz können Sie HIER herunterladen oder lesen 

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